Jay Kristoff Das Reich der Vampire 3
Das Reich der Dämmerung
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»Das Reich der Dämmerung« (Das Reich der Vampire 3) von Jay Kristoff
Gabriel de León hat seine Familie, seinen Glauben und seine letzte Hoffnung auf ein Ende der endlosen Nacht verloren – den Heiligen Gral, Dior. Einzig der Gedanke an Rache hält ihn aufrecht. Also begibt er sich mit einer Gruppe treuer Freunde in das vom Krieg zerrüttete Herz des Reiches, um den Ewigen König zu töten.
Doch Gabriel irrt. Dior hat den eigenen Tod überlebt – und eilt in der schwachen Hoffnung, den Tagestod für immer zu beenden, ebenfalls auf die belagerte Hauptstadt zu. Doch auch die Legionen des Ewigen Königs rücken immer näher.
Gabriel und Dior werden in eine letzte Schlacht verwickelt, die das Schicksal des Reiches entscheiden wird, aber als die Sonne zum vielleicht letzten Mal untergeht, gibt es niemanden mehr, dem sie vertrauen können.
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Wie auch bereits bei den beiden Vorgängern dieses Buches hat mir Jay Kristoff wieder eine außerordentliche Lesefreude bereitet. Wirklich schade, dass mit Das Reich der Dämmerung nun die Saga um Gabriel de Leon hier sein Ende gefunden hat. Mit großer Zufriedenheit konnte ich zudem feststellen, dass Kristoff keine bisher aufgetretene Frage unbeantwortet gelassen hat und das waren nicht gerade wenige.
Wir erfahren wie und auf welche Weise Dior dem Tagtod ein Ende bereiten kann und was es mit Gabriels ominösen Träumen auf sich hat. Wir lernen weitere überlebende Ritter der Silberwächter kennen und die letzten noch lebenden Verwandten von Gabriel. Schlachten werden geschlagen, Armee aufgerieben und das Blut fließt in Strömen. Auch viele (sehr viele) Gefährten und Freunde Gabriels werden das zeitliche segnen, oder doch nicht? Mann muss, darf und sollte sich als Leser überraschen lassen und dem Ende geradezu entgegenfiebern. Nur eines sei hier verraten: Gabriel ist nicht nur ein begnadeter Schwertkämpfer sondern auch ein ausgesprochener Lügner. Aber, er ist nicht der Einzige.
Erzählt wird die Geschichte wieder abwechselnd aus der Sicht von Gabriel und seiner Schwester Celene – als „Beichtvater“ dient ihnen wieder der Chronist der Königin, Marquis Jean-Francois. Kannte der Leser bisher nur die Lebensgeschichte von Gabriel, so lernt er diesmal auch den Werdegang seiner Schwester kennen. Und der hat ebenfalls so einiges zu bieten und steht in Sachen Dramatik, Tragik und Brutalität dem von Gabriel in nichts nach.
Das fulminante Ende wird mit der Versammlung der Oberen aller Vampirhäuser am Hof der Chastains eingeläutet. Alles was Rang und Namen hat trifft sich hier. Gabriel selbst befindet sich als Gefangener der Vampirkönigin Margot Chastein in einer mehr als ausweglosen Lage. Wie er sich hier herauswinden soll... ich habe keine Ahnung. Aber irgendwie schaffe er es dann doch, denn, wie oben schon geschrieben, überzeugt er nicht nur als Kämpfer sondern auch als grandioser Geschichtenerzähler und Lügner. Es ist einfach sehr praktisch, wenn man seine Feinde vor sich hat und eine Prophezeiung hinter sich. Das klärt die Fronten, macht die Schwerthand stark und die Beendigung der ewigen Nacht, dank eines hilfreichen Tipps ausgerechnet von seinem Erzfeind Dante Voss, möglich.
Was Kristoff hier wieder an Wendungen, falschen Fährten und durchgeknallten Protagonisten aufbietet ist grandios. Alleine die skurrilen und teilweise kaum noch menschlich zu nennenden Dämmertänzer und ihre Fähigkeiten sind bemerkenswert. Alles gewürzt mit derber Spache und viel schwarzem Humor. Ebenfalls grandios sind auch die zahlreichen Verletzungen, Verstümmelungen und die Anzahl von Knochenbrüchen, welche Gabriel mal wieder erleiden muss. Das sich so ein geschundener Körper wieder erholen kann ist schon so eine Sache. Auch der Sex kommt wieder nicht zu kurz. Wer mit diesen fast schon pornografischen Szenen seine Probleme hat, sollte besser die Finger vom Buch lassen.
Für mich war es immer eine wichtige Frage wie überhaupt die Vampire in die Welt gekommen sind. Zu meiner Freude wurde sie im dritten Band beantwortet. Aber in dem Zusammenhang erfahren wir Leser unerwarteterweise noch etwas völlig anderes im Bezug auf den Erlöser. Wer ist er wirklich und ist er in der Tat der Erlöser oder vielleicht doch nur ein neuer Scharlatan? Und was ist mit Maryn, der Priori der Esani, welche wir hier erstmals kennenlernen? Ist sie wirklich die „Gute“, die ohne Eigennutz Dior auf ihrem Weg den Tagtod zu beenden begleitet und ihr besteht? Es gibt in Gabriels Welt so viele falsche Propheten und Blender das man sich ihrer nie sicher sein kann.
Anzumerken wäre noch, dass sich die Qualität der im Buch gezeichneten Bilder deutlich verbessert hat. Obwohl die Zeichnungen in den beiden Vorgängern bereits sehr gut waren, aber auch sehr comicartig, sind die Bilder von Gonzalo Mendiverry noch eine Spur besser und eine Klasse für sich. Sie wirken sehr lebensnah, detailreich und authentisch. Auch dadurch wird das Buch noch einmal stark aufgewertet. Ein ausdrückliches Lob auch an die tolle Übersetzung von Kirsten Borchardt.
Fazit
Es fällt mir schwer meine Begeisterung für diese Trilogie adäquat in Worte zu fassen. Ich gebe zu, dass das Genre Fantasy nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre ist, aber was Jay Kristoff hier erschaffen hat ist für mich einfach unglaublich anregend, begeisternd und erinnernswert. Die Gesamtgeschichte ist so umfangreich und episch, dass es mir teilweise unglaublich schwer gefallen ist das Buch aus der Hand zu legen. Man möchte immer nur weiterlesen. Der Unterhaltungswert ist einfach phantastisch (zumindest für mich). Wer sich bereits für Kristoffs Nevernight Trilogie begeistern konnte (ich konnte es) wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen.
So schließe ich mit den Worten:
„Stets in Unterzahl. Doch nie überwältigt.“